Produktionsfahrt Kroatien 2017

Normalerweise fahren meine Familie und die meines Onkels um diese Jahreszeit nach Ligurien in Italien. Doch irgendwie war dieses Jahr die Motivation wieder in die gleiche Gegend auf den gleichen Campingplatz zu gehen nicht besonders hoch. Also suchten wir nach Alternativen. Bald wurde beschlossen, dass nur wir „Kinder“ allein in den Urlaub gehen wollten und bald schlossen sich auch noch ein weiterer Cousin und eine Cousine dieser Idee an. Doch wohin sollte es dieses mal gehen? Frankreich erschien zu langweilig, nach Italien wollte keiner mehr und nach Norden fahren wurde auch verworfen, alle wollten Sommer, Sonne und Meer.

Mein Bruder schlug die kroatische Insel Brac vor, da er schon vor mehreren Jahren mit Freunden auf der Nachbarinsel Hvar war. Dieser Vorschlag stieß schnell auf große Begeisterung, wer will denn nicht auf einer Insel mit kristallklarem Wasser und einem der schönsten Strände Kroatiens Urlaub machen? Ein Campingplatz war schnell gefunden, doch schnell kam die Frage auf: Wie kommen wir da hin? Fliegen? Zu teuer. Zug oder Fernbus? Dauert viel zu lang. Unsere eigenen Autos nehmen? Lieber nicht, wir sind eh zu sechst, also müssten wir zwei Autos nehmen, heißt doppelte Kosten. Und keiner will 16 Stunden eingequetscht in nem Kleinwagen verbringen. Nach einiger Überlegung entschlossen wir uns also ein Auto zu mieten. Unsere Wahl war ein VW Multivan mit 7 Sitzen, und für einen kleinen Aufpreis wählten wir auch noch die beste Ausstattungslinie, ohne genau zu wissen was sich dahinter verborgen halten sollte.

 

Tag 1: Mein Bruder und eine meiner Cousinen holten das Auto in Ravensburg bei der Vermietung ab und waren überrascht von all den kleinen oder auch größeren Spielereien die das Auto zu bieten hatte: Elektrische Schiebetüren, Automatikgetriebe, Abstandstempomat und Parksensoren vorne und hinten. Die Beiden sammelten mich und eine Cousine auf und wir fuhren nach Friedrichshafen um noch die zwei anderen aufzugabeln. Unser Opa drückt uns noch ein bisschen Reisegeld in die Hand damit wir noch etwas schönes Unternehmen können. Mein Bruder packt fachmännisch das Auto und nach ein paar Probefahrten um den Block, nicht alle waren mit einem Automatikgetriebe vertraut, legten wir uns schon früh am Abend schlafen um dann voller Energie nachts losfahren zu können.

Kleine Diskussion um die Sitzaufteilung und los geht es durch die Nacht. Die Aufregung ist groß und keiner schläft in den ersten Stunden. Eigentlich wäre das ja schlau um dann fit für die eigene Schicht als Fahrer zu sein aber das ist uns in diesem Moment völlig egal.

Bald sind wir an der Grenze zu Österreich, und als es anfängt zu dämmern sind wir auch schon in Slowenien. Ein wirklich schönes und unterschätztes kleines Land. Ist sicher auch einen Trip wert. Ein andermal halt.

Am Nachmittag kommt langsam Split in Sicht, unser großer Zwischenstop, da wir hier auf die Autofähre nach Brac fahren wollen. Eine Stunde Wartezeit am Hafen und schon sind wir auf dem Schiff. Die Aussicht vom Personendeck lässt die Vorfreude immer größer werden und bald ist auch „unsere“ Insel in Sicht. Doch bloß nicht zu früh freuen, uns erwartet immer noch eine dreiviertel Stunde Fahrt über die Berge der Insel, bis wir schließlich am Camping in Bol sind.

Die Aussicht von der Bergstraße ist atemberaubend, schnell wird wieder die Kamera gezückt und aus dem Fenster gefilmt. Der Versuch eine Drohne steigen zu lassen, scheitert an der 1,5km-Flugverbotszone um einen Flughafen. Noch schnell über einen im Bau befindlichen Kreisverkehr, vorbei am Goldenen Horn und dann sind wir auch schon da, am Camp Aloa. Ziemlich steil hier, sah auf Google Earth nicht so aus, aber die Aussicht ist immer noch überwältigend. Durch die Bäume lässt sich schon das kristallklare Wasser erkennen, aber heute gehen wir nicht mehr schwimmen.

Schnell zeigen sich beim Zeltaufbau erste Probleme, der Boden ist zu hart um Heringe einzuschlagen und ist mit kantigen Steinen übersäht. Also erstmal den Boden frei machen. Glücklicherweise sind in der Nähe auch einige große Steine und ein Zaun mit denen wir das Zelt befestigen können. Noch ein kleines Abendessen und ein kleiner Besuch am campingplatzeigenen Strand und dann gehen wir schon schlafen.

 

 

 

Tag 2: Wir stehen recht früh auf, gezwungen von der Sonne die das Zelt unerträglich aufheizt. Zum Glück war jemand schon so freundlich und war beim Bäcker, damit wir etwas zu essen haben. Die Mehrheit will nach Bol in die Stadt, um noch ein Paar Kleinigkeiten wie Taucherbrillen zu kaufen Wir brechen schnell auf bevor die Mittagshitze zu stark wird. Hätte fast geklappt, wir sind erst kurz vor 12 in Bol und die meisten Geschäfte sind bereits dabei zu schließen, da Sonntag ist. Wir entdecken einen kleinen Markt mit frischem Obst und Gemüse, an dem wir die nächsten Tage immer wieder einkaufen werden. Auch einen Bäcker, die Post und den Metzger finden wir. Der Supermarkt direkt am Hafen hat leider schon geschlossen, aber wir finden noch einen anderen.

Nach dem Mittagessen gehen wir hinunter zum Strand. Jetzt können wir auch endlich unsere neue wasserdichte Hülle für DSLRs ausprobieren und tolle Unterwasseraufnahmen machen, mit denen keine GoPro mithalten kann. Wir verbringen viel Zeit mit Schnorcheln, immer auf der Hut vor schmerzhaften Seeigeln, von denen es glücklicherweise nicht all zu viele gibt. Auch ein kleines Fotoshooting machen wir am Strand, im seichten Wasser. Auch die Bilder die mein Bruder versehentlich mit dem rosaroten Unterwasserfilter aufnimmt entwickeln einen ganz eigenen Charme.

Am Abend schauen wir gemeinsam die gemachten Aufnahmen durch und uns wird bewusst, dass uns ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist: Die Unterwasserhülle hat einen Trageriemen, der uns unbemerkt immer wieder vor die Linse geschwommen ist. Lektion gelernt: am nächsten Tag kommt er ab. Eine Cousine erklärt uns noch einen sehr sinnvollen Trick: Damit die Taucherbrillen nicht immer so beschlagen, kann man sie von innen mit Zahnpasta einreiben und siehe da, es wirkt Wunder.

 

Tag 3: Heute entscheiden wir uns für einen faulen Tag und legen uns direkt nach dem Frühstück an den Strand. Am Nachmittag gehen wir einkaufen, wir wollen am Abend grillen. Wir teilen uns auf, ein Teil geht zum Markt und kauft die frischen Sachen und der andere Teil zum Metzger um das Fleisch zu besorgen. Wir machen uns auf die Suche nach Zutaten mit denen man es marinieren könnte. Mit einer Tube Tomatenmark und einer Packung Paprikapulver machen wir uns schließlich wieder auf den Rückweg. Am Zelt angekommen legen wir das Fleisch ein und bringen es in den Kühlschrank. Den restlichen Tag verbringen wir wieder unten am Strand. Und zur Krönung des Abends wird der Grill endlich angeworfen und wir können während dem Essen einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer beobachten.

 

 

Tag 4: Da unser Campingplatz nur eineinhalb Kilometer vom Goldenen Horn entfernt liegt, beschließen wir dort einen Tag zu verbringen. Wir packen uns ein Vesper und machen uns auf den Weg. Da wenige Tage zuvor noch ein Hafenfest in Bol war, sind noch viele mit ihren Yachten da. Was dazu führt das wir leider nicht den Schnorchelspot östlich des Goldenen Horns erkunden können. Nichtsdestotrotz ist auch in dem fürs Schwimmen freigegebenen Bereich eine schöne Unterwasserwelt zu erkunden. Wir sehen ein paar kleine Fischschulen und auch ein paar Fische die sich in einem der Seegrasbüsche verstecken. Gegen Nachmittag beschließen wir, dass es am besten ist, wenn wir nun das Goldene Horn verlassen, da wir langsam aber sicher einen Sonnenstich bekommen. Unser Auto hat auch mal wieder Durst, also auf zur nächsten Tankstelle. Für den nächsten Tag planen wir einmal um Brac zu fahren und uns die Städte anzuschauen, durch die wir dabei kommen. Siteseeing für Faule, wenn man so will.

 

Tag 5: So früh haben wir es die ganze Woche noch nicht geschafft fertig für den Tag zu sein. Mit vollem Magen und voller Kühlbox geht es los. Laut Navi dauert unsere Strecke zweieinhalb Stunden. Sehr gut dann kann man umso mehr Bilder und Videos machen. Wir halten alle paar hundert Meter an und machen Bilder und Videos. Als wir an unserem ersten Zwischenziel ankommen, haben wir bereits über eine Stunde gebraucht (bei normalem Tempo bräuchte man für die Strecke ca. 20 Minuten). Von hier geht es weiter zur nächsten Stadt, Pucisca. Unser Navi meint allerdings, wir wären Wanderer, sodass es uns zuerst einen Schotterweg und anschließend über einen schmalen Pfad entlang schicken will. Als uns das auffällt sind wir bereits in einer versteckten Bucht angekommen, in der zwei Restaurants stehen. Und einige schöne und große Yachten. Als wir einen Angestellten fragen wo es denn nach Pucisca ginge, lacht er kurz auf und meint, dass wir hier komplett falsch seien und am besten über Gornji Humac fahren sollten. Wir schauen uns an und denken alle das Selbe: „Oje, nochmal eine Stunde diesen Schotterweg entlang fahren, durch die ganzen Kreuzspinnen, die ihre Netze über die „Straße“ gespannt haben.“. Nach einem kurzen Bummel durch Pucisca geht es weiter über Postira nach Splitska, welches ein kleines verträumtes Örtchen an der Nordküste Bracs ist. Es ist definitiv eine genauere Erkundung wert. Doch leider fehlt uns die Zeit dazu. Wir fahren weiter nach Supetar, wo wir bereits an unserem ersten Tag durchgekommen sind. Von hier fahren  die Fähren nach Split und zurück. Da es schon später Nachmittag ist, entscheiden wir uns die Rundfahrt abzubrechen und zurück auf den Campingplatz zu fahren, wir wollen am Abend noch Essen gehen. An der Rezeption des Campingplatzes wird uns ein Restaurant keine fünf Minuten vom Campingplatz entfernt empfohlen, welches sich als hervorragend herausstellt. Was für ein perfekter Abschluss für einen abenteuerlichen und ereignisreichen Tag.

Tag 6: Wir fahren früh morgens über Supetar nach Split da wir (bzw. ein Teil von uns) noch shoppen gehen wollen. Weil was ist schließlich ein Ausflug bei dem man nicht shoppen war. So teilen wir uns auf und verabreden uns für den Nachmittag wieder an der Fähre. Wir haben alle eine Menge Spaß und da es der einzige regnerische Tag während unseres Trips ist, kommt es uns gerade recht. Als wir wieder auf Brac sind, gehen wir noch beim Metzger vorbei und kaufen für sechs Personen drei Kilogramm Fleisch. Denn wir wollen unseren letzten Abend auf Brac nochmal so richtig genießen. Anschließend heißt es dann Auto und Zelt sortieren und wir packen schon so viel wie möglich ins Auto , da es am nächsten Tag in den Nationalpark Krka gehen wird.

Tag 7: Direkt nach dem Aufstehen packen wir unsere restlichen Siebensachen ins Auto, denn heute geht es in den Nationalpark Krka, in der Nähe von Sibenik. Also wieder mal Fähre fahren und ein Stück die Autobahn rauf. So sparen wir uns am Heimreisetag dreieinhalb Stunden Fahrt, da wir nicht mehr Fähre fahren müssen. Wir finden unseren Campingplatz, stellen unser Auto ab und machen uns direkt bereit für den Nationalpark. Der Camping liegt zwei Kilometer vom Eingang des Parks entfernt, und allein schon die Straßen dorthin sind sehenswert. Kilometerlange, schnurgerade Straßen. Die müssen natürlich sofort für ein Fotoshooting herhalten. Endlich im Park angekommen lassen wir etwas oberhalb der schon deutlich zu hörenden Wasserfälle unsere Drohne steigen, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Jedoch sind wir schon auf den ersten fünfzehn Metern erneut fasziniert von der einzigartigen Schönheit des wirklich toll angelegten Parks. Kleine Holzstege führen uns durch ihn hindurch und überall gibt es etwas zu gucken. Hunderte Fische, blaue Libellen, Frösche, Wasserfälle, kleine Teiche, alles wunderschön. Zum Glück verteilen sich die großen Touristengruppen gut auf den Rundweg, welcher nur ein Bruchteil des eigentlichen Nationalparks ist. Im Park lassen wir die Drohne erneut steigen um noch einmal den Park von oben betrachten zu können. Die Aussicht ist atemberaubend. Bald meldet sich der Hunger zu Wort, zum Glück gibt es in der Nähe des großen Hauptwasserfalls ein Restaurant, in dessen Biergarten wir uns stärken können. Ein paar von uns beschließen dort schwimmen zu gehen, der Rest schaut von der Brücke aus zu. Nach der Brücke ist der Park auch zu Ende, man kann aber noch ein paar Aussichtsplattformen besuchen. Auf dem Weg zurück zum Camping nutzen wir erneut die idyllischen Straßen aus, um einige coole Videos und Fotos zu machen. Auf dem Campingplatz angekommen hüpfen wir kurz in den kleinen Pool und teilen uns auf. Die eine Hälfte geht einkaufen, die andere fängt schon mal an zu kochen. Heimlich kaufen wir einen Kuchen, Kerzen und „Happy Birthday“-Papptellerchen, eine Cousine hat am nächsten Tag Geburtstag. Wir essen und richten unser Lager für die Nacht. Unsere Nachbarn sind sehr amüsiert von der Tatsache, dass wir unser Zelt nicht aufbauen, sondern unter freiem Himmel schlafen wollen. Nichtsdestotrotz legen wir uns bald schon schlafen um ausgeruht für die lange Heimfahrt am nächsten Tag zu sein.

Tag 8: Nach einer angenehm warmen Nacht unter freiem Himmel, geht es um 6 Uhr morgens wieder gen Heimat. Dort machen wir uns sofort dran das Auto auszuräumen und zu waschen, da niemand von uns Lust hat einen zusätzlichen Miettag zu bezahlen, nur weil wir es zu spät zurückbringen.

Was für ein Trip. Mit lauter tollen Eindrücken, Bildern und Videos im Gepäck machte sich jeder wieder auf die letzten paar Kilometer nach Hause.

 

 

 

 

 

 

 

 

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